Was Bedeutet Krieg In Europa Für Deutschland?

Was Bedeutet Krieg In Europa Für Deutschland
Was bedeutet der Krieg für Deutschland? – Zunächst, dass in Europa wieder eine militärische Auseinandersetzung stattfindet, nur rund 1. 200 Kilometer von Berlin entfernt. Die Ukraine ist jedoch kein Nato-Mitglied, deshalb hat sie keinen Anspruch auf militärischen Beistand von Deutschland und anderen Nato-Staaten.

Kanzler Olaf Scholz (SPD) sagte am Donnerstag: “Deutschland verurteilt diesen rücksichtslosen Akt von Präsident Putin aufs Schärfste. ” Man werde sich im Rahmen der G7-Staaten, der Nato und der EU “eng absprechen”.

In einem Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj habe Scholz die “volle Solidarität Deutschlands zu dieser schweren Stunde” zugesichert, teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit mit. Einerseits will Deutschland nicht in eine militärische Auseinandersetzung hineingezogen werden, andererseits will es die Ukraine nicht im Stich lassen.

Zusätzlich zum Stopp der Gaspipeline Nord Stream 2 wurden nun deutlich weitergehende Sanktionen gegen Russland verhängt: Vor allem der nun beschlossene Rauswurf russischer Banken aus dem internationalen Überweisungssystem Swift gilt als scharfes Schwert.

Zuvor drohte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) Moskau mit “schweren politischen und wirtschaftlichen Konsequenzen”.

Ist EU und NATO das gleiche?

Am 10. Juli 2018 haben die EU und die NATO eine Gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Die Erklärung enthält eine gemeinsame Vision davon, wie die EU und die NATO zusammen gegen gemeinsame Sicherheitsbedrohungen vorgehen werden.

Ist die EU ein Militärbündnis?

Einzelnachweise [ Bearbeiten | Quelltext bearbeiten ] –

  1. ↑ Hochspringen nach: a b Address given by Winston Churchill to the Council of Europe (Strasbourg, 11 August 1950). 14. Mai 2013, abgerufen am 3. Juli 2021 (englisch).
  2. ↑ Wiederbewaffnung und Pleven-Plan ( Memento vom 10. Dezember 2006 im Internet Archive )
  3. ↑ Neuer Anlauf für Europa-Armee ( Memento vom 17. März 2005 im Internet Archive )
  4. ↑ EU-Politik: Merkel fordert Europa-Armee. Spiegel Politik, 23. März 2007, abgerufen am 24. Oktober 2021.
  5. ↑ EU-Steuer und EU-Armee. n-tv, 7. März 2007, abgerufen am 24. Oktober 2021.
  6. ↑ http://www. ftd. de/politik/europa/:sicherheitskonferenz-westerwelle-will-eine-eu-armee/50070689. html ( Memento vom 8. Februar 2010 im Internet Archive )
  7. ↑ Christoph Herwartz: Von der Leyen will Armeen bündeln. Soll sich Deutschland von Europa verteidigen lassen? n-tv, 31. Januar 2014, abgerufen am 24. Oktober 2021.
  8. ↑ Juncker will eine gemeinsame EU-Armee. tagesschau. de, 8. März 2015, abgerufen am 24. Oktober 2021.
  9. ↑ Martin Fritzl: „EU-Armee: Dann entscheidet Brüssel über Leben und Tod”. Die Presse, 30. März 2015, abgerufen am 24. Oktober 2021.
  10. ↑ NEOS-Positionspapier Neutralität ( Memento vom 9. Juni 2015 im Internet Archive )
  11. ↑ Markus Becker: Ministertreffen in Bratislava: Das Militär soll EU-Staaten wieder zusammenbringen. Spiegel Ausland, 26. September 2016, abgerufen am 24. Oktober 2021.
  12. ↑ EU-Kommission plant Verteidigungsfonds. tagesschau. de, 30. November 2016, abgerufen am 24. Oktober 2021.
  13. ↑ Markus Becker: 23 EU-Staaten gründen Militärunion. In: Spiegel Online. 13. November 2017, abgerufen am 13. November 2017.
  14. ↑ Gemeinsam schlagkräftig: EU auf dem Weg zur Verteidigungsunion ( Memento vom 11. November 2018 im Internet Archive ). tagesschau. de, 11. Dezember 2017.
  15. ↑ Enthält auch Mitglieder außerhalb der EU.
  16. ↑ Hochspringen nach: a b c d Franz Josef Jung: Europäische Armee: notwendige Zukunftsvision. 25. März 2014.
  17. ↑ Jürgen Schnell, GenLt a. : Haushalte und Militärbudgets der EU-Mitgliedsstaaten vor dem Hintergrund der gegenwärtigen dramatischen Finanzlage – Einspareffekte und Effizienzsteigerung durch eine Europa-Armee? ( Memento vom 6. Oktober 2014 im Internet Archive ) (2011)
  18. ↑ Philipp Gallhöfer: Effizienz und Effektivität durch Verteidigungskooperation: Auswirkungen innerhalb der Europäischen Union
  19. ↑ Hochspringen nach: a b Aufrüsten für Amerika? bei:zeit. de
  20. ↑ Andreas Würth: Warum nicht wie bewährt vom Einfachen zum Schweren? Wie gemeinsame Europäische Streitkräfte beginnen könnten. Treffpunkteuropa , 27. August 2018, abgerufen am 22. November 2018.
  21. ↑ Matthias Dembinski, Dirk Peters: Eine Armee für die Europäische Union? Europapolitische Konzeptionen und verteidigungspolitische Strukturen. (PDF) In: hsfk. de: Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung (HSFK), Peace Research Institute Frankfurt (PRIF). Januar 2018, abgerufen am 5. Dezember 2018.
  22. ↑ Hochspringen nach: a b Matthias Dembinski, Dirk Peters: Für eine europäische Armee. (PDF) In: hans-peter-bartels. de. Februar 2006, abgerufen am 5. Dezember 2018.
  23. ↑ Jürgen Groß, Andreas Weigel: Fernziel: EUropäische Armee. (PDF) In: ifsh. de: Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik. 29. August 2008, abgerufen am 5. Dezember 2018.
  24. ↑ Thorsten Jungholt: Verteidigungspolitik: „Revolutionärer Schub” für eine eigenständige Europa-Armee. In: Die Welt. 14. November 2020 ( welt. de [abgerufen am 22. August 2021]).
  25. ↑ Zur Diskussion über eine 28. Armee für die Europäische Union. Abgerufen am 22. August 2021 (deutsch).
  26. ↑ Vincent-Immanuel Herr, Martin Speer: Europe for Future 95 Thesen, die Europa retten – was jetzt geschehen muss (Das europäische Manifest im Wahljahr 2021). Hrsg. : Droemer Knaur. Auflage. München 2021, ISBN 978-3-426-30268-2.
  27. ↑ Gründe für Europaarmee (auf: zeit. de )
  28. ↑ Philipp Gallhöfer: Effizienz und Effektivität durch Verteidigungskooperation: Auswirkungen innerhalb der Europäischen Union. Springer-Verlag, 26. Juni 2014, ISBN 978-3-658-06359-7 , S. 73.
  29. ↑ Hochspringen nach: a b Thomas Straubhaar: Verteidigung: Europäische Armee hätte viele Vorteile. 10. März 2015.
  30. ↑ Main Ground Combat System
  31. ↑ Charles Heyman: The Armed Forces of the European Union, 2011–2013. Pen & Sword Books, Barnsley 2011, ISBN 978-1-84415-519-4
  32. ↑ https://www. tagesschau. de/ausland/flugzeugtraeger-china-103. html. Norddeutscher Rundfunk. Abgerufen am 28. April 2017.
  33. ↑ wikipedia: Zusammenführung der Zahlen aus Indische Streitkräfte
  34. ↑ wikipedia: Zusammenführung der Zahlen aus Türkische Streitkräfte
  35. ↑ Macron fordert „wahre europäische Armee”. Süddeutsche Zeitung, 6. November 2018, abgerufen am 24. Oktober 2021.
  36. ↑ Macron fordert Bildung einer «wahren europäischen Armee». Blick , 6. November 2018, abgerufen am 24. Oktober 2021.
  37. ↑ Angela Merkel wirbt für europäische Armee. In: Spiegel Online. 13. November 2018, abgerufen am 13. November 2018.
  38. ↑ Hochspringen nach: a b Gipfel in Paris: Trump nennt Macrons Vorschlag einer Europa-Armee „beleidigend”. In: Zeit Online , 10. November 2018.
  39. ↑ Merkel wirbt im EU-Parlament für europäische Armee. In: tagesschau. de. 13. November 2018, abgerufen am 13. November 2018.
  40. ↑ Lorenz Hemicker: Merkel unterstützt Macrons Idee einer europäischen Armee. In: FAZ. net. 13. November 2018, abgerufen am 13. November 2018.
  41. ↑ Ralf Streck: Der erste Schritt zur EU-Armee. Abgerufen am 17. November 2021.
  42. ↑ Christoph Kluge: Was die kleinen Parteien in Brüssel erreichen wollen. In: Der Tagesspiegel Online. 22. Mai 2019, ISSN   1865-2263 ( tagesspiegel. de [abgerufen am 5. Oktober 2021]).
  43. ↑ Bundestagswahl 2021: Volt Deutschland. In: tagesschau. de. 19. August 2021, abgerufen am 5. Oktober 2021.
  44. ↑ Europa, USA, NATO (Friedensratschlag). In: www. ag-friedensforschung. de.
  45. ↑ Donald J. Trump: Tweet. In: Twitter. November 2018, abgerufen am 14. November 2018 (englisch).
  46. ↑ Torsten Teichmann: Versöhnliche Töne im Élysée-Palast. Tagesschau (ARD) , 10. November 2018.
  47. ↑ Jens Stoltenberg: Nato-Generalsekretär kritisiert Idee einer europäischen Armee. Die Zeit online, 13. November 2018.
  48. ↑ Jordan Shilton: Ex-Premierminister Blair unterstützt Forderung nach europäischer Armee.
  49. ↑ European defence spending hit new high in 2019. Abgerufen am 27. Mai 2021 (englisch).
  50. ↑ Hochspringen nach: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab Defence Data Portal , Official 2012 defence statistics from the European Defence Agency
  51. ↑ Bundesministerium der Verteidigung : Stärke: Militärisches Personal der Bundeswehr. Bundeswehr, 5. August 2015, abgerufen am 15. August 2015.
  52. ↑ Hochspringen nach: a b c d e f g h i j k l m n Ministry of Defence – Vehicle & Aircraft Holdings within the scope of the Conventional Armed Forces in Europe Treaty: Annual: 2013 edition , gov. uk, (pp. 10-13), Accessed 28 November 2014
  53. ↑ Archivlink ( Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive )   Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  54. ↑ The Armed Forces of the Republic of Poland. In: washington. mfa. gov. pl.
  55. ↑ Craig Hoyle: World Air Force 2019. Flight International , 8. Dezember 2018, abgerufen am 1. Februar 2019 (englisch).
  56. ↑ Orders, Deliveries, In Operation Military aircraft by Country – Worldwide. (PDF) Airbus , 30. April 2020, abgerufen am 8. Juni 2020 (englisch).
  57. ↑ Karl Schwarz: Erste F-35 in Leeuwarden. In: Flug Revue. November 2019, abgerufen am 7. November 2019.
  58. ↑ Karl Schwarz: 100. A400M ausgeliefert. In: Flug Revue. 25. Mai 2021, abgerufen am 25. Mai 2021.
  59. ↑ Patrick Zwerger: LTG 63 feiert 400000 Flugstunden mit Transall. Flug Revue, 25. September 2019, abgerufen am 26. September 2019.
  60. ↑ Bob Fischer: RNLAF hat ihre erste KDC-10 ausgemustert. In: aorubuzz. de. November 2019, abgerufen am 5. Dezember 2019.
  61. ↑ 8. Bericht des Bundesministeriums der Verteidigung zu Rüstungsangelegenheiten. (PDF) Bundesministerium der Verteidigung, 7. Dezember 2018, S. 89 , abgerufen am 4. Februar 2019.
  62. ↑ Karl Schwarz: NH90 Instandhaltung bei Airbus Helicopters und Elbe Flugzeugwerke. Flug Revue, 28. August 2019, abgerufen am 23. September 2019.
  63. ↑ Thomas Wiegold : Erster SeaLion für die Marine ausgeliefert (aber noch nicht an die Marine). In: Blog: Augen geradeaus! 24. Oktober 2019, abgerufen am 25. Oktober 2019.
  64. ↑ 5. Bericht des Bundesministeriums der Verteidigung zu Rüstungsangelegenheiten. (PDF) 1. April 2017, S. 111–114 , abgerufen am 18. Oktober 2019.
  65. ↑ Niederlande übernehmen ihren letzten NH90. Flug Revue, 15. Juni 2016, abgerufen am 4. Februar 2019.
  66. ↑ Let’s Sea The 10 Biggest Navies In The World. 27. Januar 2014.

Wann tritt die NATO ein?

Seit den Anschlägen in der USA am 11. September 2001 ist in der Öffentlichkeit wiederholt die Frage des “Bündnisfalles” erörtert worden. Am 2. Oktober 2001 wurde in den Medien berichtet, der NATO-Rat habe nunmehr förmlich den Eintritt des Bündnisfalles festgestellt, nachdem die USA den NATO-Partnern Belege dafür vorgelegt haben, dass der Anschlag vom 11.

  1. September 2001 “von außen” gesteuert gewesen sei;
  2. Gem;
  3. Art;
  4. 5 des NATO-Vertrages kann der Bündnisfall festgestellt werden, wenn ein Mitglied der NATO von außen angegriffen wurde;
  5. Die Konsequenz einer solchen Feststellung ist, dass alle anderen Mitgliedsstaaten zum Beistand verpflichtet sind;

Unbestritten wurden die USA durch die Anschläge vom 11. September 2001 nicht von einem fremden Staat angegriffen. Bis zum Jahre 1999 wurde allgemein davon ausgegangen, dass unter “Angriff” iSd Art. 5 NATO-Vertrag ein staatlicher Angriff gemeint ist. Erst auf dem NATO-Gipfeltreffen im April 1999 in Washington wurde im Zusammenhang mit dem neu verabschiedeten Strategischen Konzept als neue Aufgabe der “Schutz vor terroristischen Angriffen” festgehalten mit der Konsequenz, dass auch solche Angriffe unter Art.

5 des NATO-Vertrages fallen sollen. Faktisch bedeutet dies eine Erweiterung des Art. 5 des Vertrages, ohne dass es zu einer Änderung des Wortlautes des Vertrages gekommen ist. Entsprechend wurde auch keine Änderung des Vertrages ratifiziert, Es sind also Zweifel angebracht, ob die Erweiterung des Art.

5 völkerrechtlich verbindlich festgestellt worden ist. Welcher Art der Beistand ist, den die Mitgliedstaaten im Falle des Art. 5 dem angegriffenen Staat zu leisten haben, entscheiden die einzelnen Staaten grundsätzlich selbst. Art. 5 NATO-Vertrag normiert also keine automatische militärische Beistandsleistung.

Zunächst ist die Frage zu klären, in welcher Weise der Bündnisfall nach den Regeln des Grundgesetzes in der Bundesrepublik Deutschland selbst festzustellen ist. Maßgeblich für die Beurteilung der rechtlichen Bedeutung des Bündnisfalles ist Art.

80 a Abs. 3 GG. Nach dieser Vorschrift ist der Eintritt des Bündnisfalles förmlich von der Bundesregierung festzustellen und im Bundesgesetzblatt zu verkünden. Der Grund für diese förmliche Verfahrensweise liegt auf der Hand: der Bündnisfall erlaubt der Regierung, Notstandsmaßnahmen in Kraft zu setzen, die tiefgreifende Auswirkungen auf das innere Gefüge der Bundesrepublik Deutschland haben können.

Gem. § 1 des Gesetzes über vereinfachte Verkündungen und Bekanntgaben vom 18. 07. 1975 (BGBl. I S. 1919) kann die Bekanntgabe durch Verlautbarungen in der Presse erfolgen, wenn die Bekanntgabe im Bundesgesetzblatt “nicht oder nicht rechtzeitig möglich ist.

” Gem. Art. 80 a Abs. 1 GG sind die meisten Notstandsmaßnahmen grundsätzlich nur nach Feststellung des Spannungsfalles zulässig, der wiederum einer 2/3 Mehrheit des Bundestages bedarf. Nach Art. 80a Abs. 3 GG sind solche Maßnahmen (Inkraftsetzung von Notstandsgesetzen) “auch auf der Grundlage und nach Maßgabe eines Beschlusses zulässig, der von einem internationalen Organ im Rahmen eines Bündnisvertrages mit Zustimmung der Bundesregierung gefasst wird.

  1. ” In der Konsequenz bedeutet dies, dass Notstandsmaßnahmen ohne vorherige Beschlussfassung durch den Bundestag möglich sind;
  2. Der Bundestag hat lediglich die Möglichkeit, die getroffenen Maßnahmen mit Mehrheit nachträglich aufzuheben;

Roman Herzog hat im Kommentar zum GG von Maunz/Dürig diese Vorschrift als “eine der bedenklichsten Bestimmungen” der Notstandsverfassung von 1968 bezeichnet. Er spricht von der Möglichkeit einer “Umgehung” des Parlaments. Die Bundesregierung hat sich in der Zeit seit dem 11.

  • September nur in unklaren und teilweise verwirrenden Äußerungen mit der Frage befasst, ob eigentlich davon auszugehen ist, dass der Bündnisfall nunmehr eingetreten ist;
  • Die immer wieder besonders betonte Feststellung, die Bundesrepublik Deutschland stehe in “uneingeschränkter Solidarität” zu den USA legt den Verdacht nahe, dass hier auch die Konsequenzen gemeint sein können, die sich aus dem Bündnisfall ergeben können;

In der öffentlichen Diskussion und der Berichterstattung in den Medien in der letzten Woche ist ganz überwiegend über die Frage spekuliert worden, ob und ggf. in welcher Weise die Bundeswehr an militärischen Vergeltungsmaßnahmen der USA teilnehmen kann, darf oder sogar muss.

  • Kaum diskutiert wurde die Frage, welche innerstaatlichen Konsequenzen sich aus der Feststellung des Bündnisfalles ergeben können;
  • Die folgenden Ausführungen befassen sich vor allem mit dieser Frage;
  • Die Feststellung des Bündnisfalles gem;

Art. 80a Abs. 3 GG kann eine Vielzahl von gesetzlichen Beschränkungen zur Folge haben, die nur schwer zu übersehen sind. Es handelt sich im wesentlichen um Sicherstellungsgesetze wie z. :  

  •  das Zivilschutzgesetz  
  •  das Arbeitssicherstellungsgesetz  
  •  das Ernährungssicherstellungsgesetz  
  •  das Wirtschaftssicherstellungsgesetz  
  •  das Wassersicherstellungsgesetz  
  •  das Verkehrssicherstellungsgesetz  
  •  das Schutzbereichsgesetz  
  •  das Energiesicherungsgesetz  
  •  das Post- und Telekommunikationssicherstellungsgesetz  
  •  das Bundesleistungsgesetz  
See also:  Wie Viel Panzer Hat Deutschland?

Die Aufzählung ist nicht abschließend. Allen diesen Gesetzen ist gemeinsam, dass sie “für Zwecke der Verteidigung” oder “nach Maßgabe des Art. 80 a GG” einschränkende Maßnahmen vielfältiger Art erlauben. So enthält § 10 ZivilschutzG eine “Aufenthaltsregelung”, durch die für Zwecke der Verteidigung Aufenthaltsverbote und -gebote erlassen werden können.

  1. In § 2 ArbeitssicherstellungsG ist für Zwecke der Verteidigung die Dienstverpflichtung praktisch der gesamten erwachsenen Bevölkerung vorgesehen;
  2. Dies gilt zwar gem;
  3. § 3 des Gesetzes nur für den Verteidigungsfall (Art;

115a GG). Ausbildungsveranstaltungen, also quasi die Vorbereitung für solche Dienstverpflichtungen sind aber bereits vorher möglich. Das SchutzbereichsG erlaubt dem Bundesminister der Verteidigung, Gebiete zum militärischen Schutzbereich zu erklären und ggf.

  • Wohnungen zu militärischen Zwecken räumen zu lassen;
  • Der Einsatz der Bundeswehr im Inneren soll zwar gem;
  • Art;
  • 87a Abs;
  • 3 GG nur im Verteidigungsfall und im – vom Bundestag mit 2/3 Mehrheit festgestellten Spannungsfall möglich sein;

Die derzeitige Diskussion über den Einsatz der Bundeswehr etwa zum Zweck der Bekämpfung des Terrorismus zeigt aber deutlich, dass auch hier die bisherigen Prinzipien zur Debatte stehen. Schwerwiegende Folgen kann die Feststellung des Bündnisfalles für Kriegsdienstverweigerer haben.

Gem. § 8 KDVG fällt im Spannungsfall (verwiesen wird auf Art 80a GG insgesamt, nicht etwa nur auf Art. 80 a Abs. 1) das schriftliche Anerkennungsverfahren weg, die Gewissensprüfung durch Ausschüsse und Kammern wird wieder die Regel.

Was noch schwerer wiegt: ein Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer hat keine aufschiebende Wirkung und hindert daher nicht die Einberufung zur Bundeswehr. Möglich sind des weiteren Maßnahmen, die die Bundesregierung allein ohne Feststellung des Spannungs- oder Bündnisfalles ergreifen kann: z.

können gem. § 6 Abs. 6 WPflG Wehrübungen als Bereitschaftsdienst angeordnet werden mit der Folge, dass sie zeitlich unbefristet sind. Der Charakter des Art. 80 a GG wird unterschiedlich beurteilt. Manche Kommentatoren meinen, der Bündnisfall des Art.

80 a Abs. 3 sei ein “Sonderfall” des Spannungsfalles des Art. 80 a Abs. 1 (so wohl im Ergebnis Herzog, MD GG, Art. 80a). Andere vertreten die Ansicht, der Bündnisfall sei ein eigenständiger, vom Spannungsfall abgesetzter Tatbestand (so u. Stern a. Ipsen (AöR s. ) weist darauf hin, dass der Bündnisfall die Möglichkeit eröffnet, “spektakuläre Parlamentsdebatten” zu vermeiden.

Es seien Situationen denkbar, in denen wegen der Zusammensetzung des Bundestages eine 2/3 Mehrheit gem. Art. 80a Abs. 1 unsicher sei, der Weg über die Bündnisklausel dagegen ohne Schwierigkeiten in Anspruch genommen werden könne.

Es mag auch juristische Diskussionen darüber geben, ob und ggf. welche der Notstandsmaßnahmen “nur” im von Bundestag festgestellten Spannungsfall (Art 80a Abs. 1 GG) in Betracht kommen und welche auch im Bündnisfall gem. Art. 80a Abs. 3 GG. Die genannten Kommentatoren sind sich auch in dieser Hinsicht nicht ganz einig.

Ein Blick in die einschlägigen Gesetze und erst recht auf die derzeitigen Diskussionen zeigt, dass die Übergänge fließend sind und bisher als verbindlich angesehene Prinzipien zur Debatte stehen. Die wiederholten Äußerungen von Bundeskanzler Schröder über die “uneingeschränkte” Solidarität mit den USA lässt erkennen, dass im Zweifel gesetzliche Einschränkungen und Bestimmungen so ausgelegt werden, dass sie für eine solche uneingeschränkte Solidarität taugen.

Das immer wiederkehrende Argument, man habe es heute mit einem “völlig neuartigen Konflikt” zu tun, für den auch “neue Antworten” gefordert seien, lässt ahnen, dass die herkömmlichen Vorschriften des Grundgesetzes nur noch begrenzt für verbindlich gehalten werden.

Insbesondere ergibt sich hier der Verdacht, dass bislang als verbindlich angesehene völkerrechtliche und auch verfassungsrechtliche Grundsätze nun zur Disposition stehen können. Von ganz besonderer Bedeutung dürften die Regierungsabkommen mit den USA, Großbritannien und Kanada sein, die die Bundesregierung in den Jahren 1982, 1983 und 1989 abgeschlossen hat.

Maßgeblich ist das Abkommen mit den USA vom 15. 04. 1982 (Deutsch-amerikanisches Regierungsabkommen über Unterstützung durch den Aufnahmestaat in Krise und Krieg, Wartime Host Nation Support/WHNS), das weitreichende Unterstützungsleistungen durch die Bundesrepublik Deutschland für die Streitkräfte der USA vorsieht.

  1. Diese Unterstützung soll im Falle von “Krise oder Krieg” gelten, Begriffe, die in den einschlägigen Bestimmungen des GG nicht zu finden sind;
  2. Es sind also gerade nicht die Kriterien des GG, die erkennen lassen, ob das Abkommen zur Anwendung kommt;

Die Vertragsparteien stellen vielmehr “gemeinsam fest, wann eine Krise oder ein Krieg besteht. ” Vor diesem Hintergrund bekommt die Erklärung der US-Regierung, man befinde sich im Krieg, Bedeutung. Das Abkommen sieht vor, dass die Bundeswehr die US-Streitkräfte in einer Stärke von 90. 000 Mann unterstützt, und zwar in folgenden Bereichen:  

  •  Sicherung von Einrichtungen der US-Luftwaffe (13. 376 Mann)  
  •  Unterstützung von US-Luftwaffenteilen auf gemeinsamen Einsatzflughäfen (8. 617 Mann)  
  •  Flugplatzinstandsetzung (6. 074 Mann)  
  •  Sicherung von US-Heereseinrichtungen (3. 941 Mann)  
  •  Transport, Umschlag und Nachschubleistungen (ca. 26. 000 Mann)  
  •  Abtransport von “maximal 1725” Verwundeten (3. 935 Mann)  
  •  Übernahme von Kriegsgefangenen (täglich bis zu 200)  
  •  Dekontamination von Personal und Material (bis zu 34. 000 Personen und 2. 700 Kfz. ),  

dazu  

  •  Transport von Personal, Material, Munition und Betriebsstoffen auf Schiene, Straße, Binnenwasserstraßen  
  •  Instandhaltungs- und Instandsetzungsleistungen sowie weitere Leistungen einschl. Materialumschlag  
  •  Fernschreib- und Fernsprechteilnehmereinrichtungen  
  •  Objekte für die Kriegsstationierung  
  •  Verbrauchsmaterial und Verpflegung  
  •  Mitwirkung bei der Deckung des Bedarfs an zivilen Arbeitskräften  
  •  Freistellung vom Wehrdienst für Zivilbedienstete der US-Streitkräfte und der Vertragsfirmen, die für die US-Streitkräfte arbeiten  
  •  materielle Mobilmachungsergänzung (Kraftfahrzeuge, Bau- und Depotgerät)  

Das Abkommen ist lediglich von den Regierungen (für die Bundesrepublik Deutschland die Schmidt/Genscher-Regierung) unterzeichnet worden und niemals Gegenstand parlamentarischer Beratung gewesen. Erst recht hat es keine Ratifizierung durch den Bundestag gegeben. Keine der genannten Notstandsmaßnahmen (innerhalb oder außerhalb einer Anwendung des Art. 80 a GG tritt automatisch ein. In jedem Falle kann die Regierung nach politischer Opportunität entscheiden, ob und ggf.

welche Maßnahmen sie ergreift. Die letzten Wochen haben gezeigt, dass vieles, was als verfassungsmäßig abgesichert galt, innerhalb von Stunden zur Disposition stehen kann. Jeden Tag sind neue Vorschläge zur Verbesserung der inneren Sicherheit (Ausbau von Polizei und Geheimdiensten, Ausbau von Überwachung und Kontrolle etc.

) zu hören, wobei es offensichtlich kaum noch ein “Tabu” rechtsstaatlicher Art gibt. Der von US-Präsident Bush propagierte Krieg gegen den Terrorismus kann Auswirkungen auch auf die Verhältnisse innerhalb der Bundesrepublik Deutschland haben, die bisher noch kaum beachtet wurden.

Literatur: Stern, Die Grundrechte der BRD Band II § 55 Ipsen, Bündnisfall und Verteidigungsfall, DÖV 1971 S. 583 ff. Ipsen, Die Bündnisklausel der Notstandsverfassung, AöR Bd. 94, S. 554 ff. Herzog, Maunz-Dürig, GG, Art.

80a Maaß, Das deutsch-amerikanische Abkommen vom 15. April 1982. , NZWehrR 1989, S. 9 ff.

Warum ist Österreich nicht in der NATO?

Bundesgesetzblatt vom 4. November 1955: Bundesverfassungsgesetz vom 26. Oktober 1955 über die Neutralität Österreichs. Die österreichische Neutralität ist seit ihrer Beschlussfassung am 26. Oktober 1955 – einen Tag nach dem Abzug der Besatzungstruppen aus Österreich – ein grundlegendes Element in der Außenpolitik Österreichs.

Ist die EU auch ein Verteidigungsbündnis?

Die 1954 gegründete Westeuropäische Union (WEU) wurde aufgelöst, nachdem die Europäische Union (EU) ihre Aufgaben übernommen hatte. Dem Verteidigungsbündnis gehörten zehn Mitgliedstaaten der EU an:  Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Niederlande, Portugal, Spanien, Großbritannien und Griechenland.

  • Kern der WEU war eine automatische Beistandsverpflichtung bei militärischen Angriffen auf einen Partner;
  • In den Anfangsjahren hatte die WEU Bedeutung für die Integration der Bundesrepublik Deutschland in die NATO und als Bindeglied zwischen der damaligen Europäischen Gemeinschaft (EG) und Großbritannien;

Davon abgesehen blieb die WEU neben der NATO und der EG aber weitgehend bedeutungslos. Der Vertrag von Amsterdam übertrug der WEU die so genannten Petersberg-Aufgaben (humanitäre Aufgaben und Rettungseinsätze, friedenserhaltende Maßnahmen sowie Kampfeinsätze bei der Krisenbewältigung).

Damit spielte sie als potentielles operatives Organ eine wichtige Rolle in der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik (GASP). Zu militärischen Aktionen unter WEU-Kommando kam es allerdings nicht. Entscheidungen im Rahmen der GASP wurden zunehmend im Rat für Auswärtige Angelegenheiten der EU getroffen.

Der Vertrag von Nizza weitete die sicherheits- und verteidigungspolitischen Kompetenzen der EU aus und schuf mit der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) auch die dafür benötigten Strukturen. Dadurch wurde die WEU praktisch bedeutungslos.

Ist Österreich heute noch neutral?

Transkript – Ralph JANIK : Der Letzte, wo ich mich erinnern kann, war damals noch unter Bundeskanzler Schüssel nach den Angriffen von 9/11 wo er damals erstmals – oder nicht erstmals, es wurde früher auch von der FPÖ immer wieder hinterfragt – aber er hat einen Punkt aufgeworfen, die Welt hat sich verändert, ist es vielleicht auch Zeit, die Neutralität zu überdenken, oder sich vielleicht klar zu bekennen, ein klares Bekenntnis in die ein oder andere Richtung, eben zum Westen abzugeben und damit auch die Neutralität aufzugeben.

Diana KÖHLER : Vor fast genau 66 Jahren am 26. Oktober 1955 ist die österreichische Neutralität in Kraft getreten. Österreich erklärte sich damit zum militärisch neutralen Land. Und wir feiern daher jährlich den Nationalfeiertag.

Aber zunächst einmal hallo und herzlich Willkommen zurück zu einer neuen Folge von “Parlament erklärt”. Mein Name ist Diana Köhler. Tobias GASSNER-SPECKMOSER : Und ich bin Tobias Gassner-Speckmoser. In unserer heutigen Folge sprechen wir mit dem Politikwissenschaftler Ralph Janik über die Ursprünge unserer Neutralität, was sie heute noch konkret für uns bedeutet, und welche Folgen es hätte, wenn wir sie je ablegen sollten.

  • ***** JINGLE ***** KÖHLER : Lieber Herr Janik, stellen Sie sich doch bitte zunächst einmal vor! JANIK : Ja, ich bin Ralph Janik;
  • Ich bin Universitätslektor in Wien und Budapest für Völkerrecht und im Rahmen meiner Forschung befasse ich mich auch mit der Neutralität und ihrer Auswirkungen bzw;

ihrem Zusammenspiel mit bewaffneten Konflikten, Sanktionen des UN-Sicherheitsrates und Autorisierungen zur Gewaltanwendung des UN-Sicherheitsrates. GASSNER-SPECKMOSER : Was bedeutet es denn im Allgemeinen, wenn ein Staat “neutral” ist? JANIK : Wenn ein Staat seine Neutralität erklärt, dann sagt er, dass er in allen zukünftigen bewaffneten Konflikten, zwischenstaatlichen bewaffneten Konflikten, sich nicht einmischen wird.

Das heißt, er wird nicht Partei ergreifen, sei es durch Waffenlieferungen, sei es durch indirekte Unterstützung, wie zum Beispiel, dass es ein Gebiet zur Verfügung stellt, dass Truppen durch sein Gebiet verlegt werden können oder indem er wirklich direkt militärisch eingreift.

Sondern er sagt eben als neutraler Staat, euer Streit geht mich nichts an, ich halte mich raus und ich werde keinen von euch beiden in irgendeiner Form unterstützen. Das kann man eben immerwährend erklären, wie Österreich das gemacht hat, wir sagen, wir sind in allen zukünftigen Konflikten bzw.

  1. genaugenommen Kriegen zwischen Staaten neutral, man kann aber auch ad hoc seine Neutralität erklären, das heißt, wenn ein Krieg ausbricht, kann man als Staat sagen, so in diesem Konflikt werden wir als Staat keine Rolle spielen, in diesen Konflikt werden wir uns nicht einmischen;

KÖHLER : Wie lange gibt es dieses Konzept der Neutralität denn schon? JANIK : Das ist eigentlich ein sehr altes Konzept. Im modernen Sinn verstehen wir und assoziieren wir es natürlich insbesondere mit der Schweiz. Und da ist natürlich ganz zentral 1814, 1815 der Wiener Kongress als historischer Ursprung der Neutralität im modernen Verständnis.

Und das erklärt vielleicht auch, warum die Neutralität auch relativ lang schon nicht mehr neu vertraglich geregelt wurde. Die letzten vertraglichen Regelungen stammen aus dem Jahr 1907. Und alles andere was danach passiert ist, ist reine Staatenpraxis.

Aber vertraglich neu geregelt hat man sie seitdem nicht mehr. Es ist ein sehr altes Konzept, das gleichzeitig auch nicht mehr in letzter Zeit vertraglich generalüberholt, reformiert, neu gedacht wurde. GASSNER-SPECKMOSER : Wir haben es eingangs schon erwähnt, aber vielleicht noch einmal genauer: Seit wann ist Österreich denn nun neutral? JANIK : Österreich ist seit 1955 neutral.

  • Österreich hat damals eben im Neutralitätsgesetz seine immerwährende Neutralität erklärt;
  • Sowohl nach innen als auch nach außen;
  • Also nach innen mit einem eigenen Bundesverfassungsgesetz über die immerwährende Neutralität;

Und nach außen, indem man dieses Bundesverfassungsgesetz den anderen Staaten, mit denen Österreich damals diplomatische Beziehungen geführt hat, aktiv kommuniziert hat. Das heißt, die anderen Staaten haben das zur Kenntnis genommen, haben das gesehen, haben auch darauf geantwortet großteils und haben gesagt: Gut, wir verstehen, ihr seid in Zukunft neutral.

Und das war ja auch historisch, man kann es nicht oft genug sagen. Die Bedingung für die österreichische Unabhängigkeit Das heißt für den Abzug der Alliierten. Sie ist aber völkerrechtlich nicht in einem Vertrag festgelegt.

Das heißt, die zwei mit der Stadt Moskau assoziierten Dokumente, Erklärungen, die man da nennen muss, die werden auch gerne verwechselt. Also es gibt die Moskauer Erklärung von 1943, wo man festgehalten hat, dass Österreich eben quasi Opfer war. Das ist natürlich ein sehr umstrittenes Thema, das wir da jetzt nicht näher behandeln.

  • Aber das hat natürlich dazu geführt, dass man hier gesagt hat, Österreich ist nicht – rein rechtlich gesehen – sagen wir ein Bündnispartner von Deutschland geworden, das ist natürlich höchst umstritten und aus heutiger Sicht eindeutig in der Form, in dieser vereinfachten Form widerlegt;
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Und dann gibt es das Moskauer Memorandum von 1955, auch kein Vertrag. Aber da haben die Alliierten sich darauf geeinigt zu sagen, gut wir werden Österreich offiziell weder dem Sowjetischen Bereich zurechnen noch dem sogenannten Westen. Sondern Österreich soll gewissermaßen da zwischen diesen beiden großen Machtblöcken stehen als neutraler Staat.

Und das ganz entscheidende dabei ist natürlich, wie ich angemerkt habe, im Zusammenhang mit der Definition von Neutralität, dass dann beispielsweise keine Truppen, keine sowjetischen Truppen durch österreichisches Gebiet fahren dürfen und natürlich auch keine westlichen Truppen, keine NATO-Truppen durch österreichisches Gebiet verlegt werden dürfen.

Das heißt, man hat hier sozusagen eine neutrale Zone, oder jetzt war vor kurzem der erste Schultag, wenn man da ans Fangenspielen denkt, eine Art “Leo”. KÖHLER : Gibt es Ausnahmen von dem Versprechen der Neutralität? JANIK : Ausnahmen gibt es in diesem Sinne nicht.

Was man aber bemerken kann ist, dass in den letzten Jahrzehnten die Neutralität durch die Zeit gewissermaßen überholt wurde. Das heißt, sie wird von Österreich, vom österreichischen Außenministerium sehr eng interpretiert.

Nicht eng, weil sie jetzt so eng wäre, sondern einfach, weil die Konflikte sich geändert haben. Das heißt, das österreichische Außenministerium und damit auch die österreichische Regierung, oder Österreich nach außen, geht davon aus, dass Neutralität bedeutet, dass man nur in zwischenstaatlichen Kriegen neutral sein muss.

Die sind mittlerweile aber die absolute Ausnahme geworden. Die allermeisten Konflikte finden ja innerhalb von Staaten statt, viele haben auch terroristischen Charakter. Und der Bundeskanzler(*) hat beispielsweise damals noch als Außenminister im Zusammenhang mit dem Kampf gegen den islamischen Staat erklärt, dass es keine Neutralität bei Terrorismus geben kann.

Das heißt, das ist ein Aspekt dabei, dass die Neutralität gar nicht so oft zur Anwendung kommt, weil es einfach kaum Kriege zwischen Staaten gibt. Beispielsweise im letzten Jahr hat das Seilberger Institut für Konfliktforschung festgehalten in seinem Bericht – sie geben jährlich einen Bericht heraus – dass es nur einen einzigen zwischenstaatlichen Krieg gegeben hat, nämlich zwischen Aserbaidschan und Armenien.

  • Und alle anderen Konflikte waren vielleicht Stellvertreterkriege, wo sich Staaten zwar eingemischt haben, aber Staaten nicht direkt miteinander gekämpft haben, oder klassische Bürgerkriege, oder Kriege zwischen Regierungen und Aufständischen, aber keine Kriege, wie wir sie erzählen historisch mit dem Bild des Ersten oder Zweiten Weltkrieges;

Und deshalb spielt die Neutralität heute keine so große Rolle mehr. Das sind dann insofern keine Ausnahmen, sondern das ist einfach ein Resultat dessen, dass die Neutralität gewissermaßen von der Zeit überholt wurde. GASSNER-SPECKMOSER : Könnte Österreich eigentlich theoretisch seine Truppen in den Krieg schicken? JANIK : Das kommt drauf an, in welchem Zusammenhang.

Also natürlich, wenn es beispielsweise nur eine UN-Sicherheitsratsresolution gibt, die die Gewaltanwendung eigens autorisiert im Rahmen von Kapitel 7 bzw. genau genommen von Artikel 42 der UNO-Charta, dann wäre das theoretisch möglich, weil wir das nicht als Krieg bezeichnen, sondern man hat dann andere Begriffe gewählt.

Wie zum Beispiel internationale Polizeiaktion. Aber in der Praxis spielt das insofern keine Rolle, da Österreich sich trotzdem auch in solchen Fällen üblicherweise nicht an Kampfhandlungen beteiligt. Unsere Beteiligung ist beispielsweise sehr aktiv in UN-Friedensmissionen.

Österreich hat ja sehr viele Blauhelme im Ausland, vor allem wenn man es auf die Gesamtbevölkerung rechnet, beispielsweise mehr als Deutschland, was viele dann überrascht, weil wir doch ein kleines Land sind.

Aber das liegt auch einfach daran, dass wir strategische Interessen haben, in Bosnien-Herzegowina beispielsweise, oder dass Kosovo für uns natürlich von ganz entscheidender auch strategischer und natürlich auch humanitärer und politischer Bedeutung ist.

Und da gehen wir beispielsweise davon aus, das ist auch schon lange etabliert und wird nicht hinterfragt, dass eine UN-Friedensmission kein Krieg ist und deswegen auch nicht von der Neutralität berührt wird.

Vor allem weil ja natürlich auch bei einer UN-Friedensmission eine Grundvoraussetzung ist, dass die jeweilige Regierung dem zustimmt. Also der Präsenz fremder Truppen auf ihrem Gebiet zustimmt. Bzw. in zwischenstaatlichen Konflikten, die durch solche UN-Friedensmissionen beruhigt werden sollen, indem man eine sogenannte Pufferzone errichtet, das Einverständnis von beiden Konfliktparteien vorliegt.

Und insofern kein Krieg, sondern eben mit Einverständnis der Konfliktparteien und dann auch noch dem Segen des UNO-Sicherheitsrats. KÖHLER : Was ist denn nun der “Default State” von Staaten, also welchen Status haben sie, wenn sie nicht neutral sind? JANIK : Ja, also die überwiegende Mehrheit der Staaten ist nicht neutral, was aber jetzt auch nicht bedeutet, dass sie sich in jeden Krieg automatisch einmischen, eben wie gesagt, sie können sich ja auch ad hoc für neutral erklären in einem bewaffneten Konflikt.

Aber viele Staaten sind dann natürlich auch Mitglieder von Militärbündnissen, was Österreich ja auch nicht erlaubt ist. Das heißt, entweder ein Militärbündnis mit entweder nur einem anderen Staat oder überhaupt Militärbündnisse mit zahlreichen weiteren Staaten, also der Warschauer Pakt als historisches Beispiel, den es heute nicht mehr gibt.

Oder eben die NATO als das, vermutlich oder ziemlich sicher bekannteste Beispiel einer Militärallianz. Und das wäre auch so ein klarer Anwendungsfall, was von der Neutralität verboten ist. Also ein Beitritt zur NATO wäre für Österreich nicht möglich aufgrund seiner Neutralitätsverpflichtung nach innen und nach außen  GASSNER-SPECKMOSER : Hat die Neutralität Folgen für Österreich, die bis heute spürbar sind? In Europa herrscht ja zum Glück schon länger größtenteils Frieden.

JANIK : Ja, es wirkt bis heute nach, also Österreich beispielsweise betont ja sehr gerne seine Vermittlerrolle. Einerseits als Standort der Vereinten Nationen. Und andererseits eben auch, indem man nach wie vor betonen kann, wir sind ja eigentlich neutral.

  • Das heißt, wenn man jetzt beispielsweise;
  • viele bemühen ja Vergleiche zwischen dem Kalten Krieg und der aktuellen Lage, sagen, es gibt jetzt vielleicht eine Art “kühlen” Krieg, zwischen den USA und China beispielsweise, oder dass Russland sich nach wie vor nicht reduzieren lässt auf eine Rolle als rein geographische Macht;

Und da ist natürlich. aus österreichischer Sicht versucht man zu betonen, wir sind ja nach wie vor historisch gewachsen neutral auch als EU-Mitglied und versuchen dann natürlich gerne, die Brückenbauer-Funktion, diese “Bridgebuilder”-Funktion zu betonen, das stößt dann natürlich auch an realpolitische Grenzen, einfach weil sich die Lage geändert hat.

  • Das heißt, sowas wie das berühmte Treffen von Kennedy und Chruschtschow in Wien in den 60er-Jahren, das würde es in der Form, ist schwieriger zu bekommen, und das ist auch nicht mehr dieselbe Art von Intensität wie im Kalten Krieg beispielsweise, aber natürlich immer wieder, wenn es zum Beispiel zu Gipfeltreffen kommt zwischen US-Präsidenten und dem russischen Präsidenten;

Dann ist Wien natürlich, oder bringt sich Wien gerne ins Spiel, weil man solche prestigeträchtigen Treffen natürlich gerne auch unter anderem vielleicht auch als Werbung, aber natürlich auch wegen der symbolischen Bedeutung gerne in Wien abhalten würde.

  1. KÖHLER : Darf Österreich außenpolitisch mitreden, obwohl es doch eigentlich “neutral” sein sollte? JANIK : Das ist eine ganz, ganz wichtige Frage, weil man muss unterscheiden zwischen der politischen Neutralität und der rechtlichen Neutralität;

Rechtlich gibt es eben diesen Kern, keine fremden Militärbasen auf dem eigenen Gebiet, kein Beitritt zu einer fremden Militärallianz und auch sonst keine Unterstützung für Konfliktparteien in Kriegen. Politisch sieht die Sache gänzlich anders aus. Das heißt, man kann sich sowohl Sanktionen anschließen, die im Rahmen der Europäischen Union verhängt werden.

Da gibt es aus neutralitäts-rechtlicher Sicht keine Bedenken. Und man kann sich in solche Konflikte auch insofern einmischen, in dem man sich politisch zu Wort meldet. Erst vor Kurzem ein interessanter Anschauungsfall war ja das Hissen der Flagge auf dem Außenamt und auf dem Bundeskanzleramt der israelischen Flagge im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Israel und der Hamas im Gazastreifen.

Da haben auch eine Reihe von Botschaftern protestiert aus arabischen bzw. muslimischen Ländern. Gleichzeitig muss man dann appelieren vielleicht kann man das politisch durchaus argumentieren, aber rechtlich spricht dagegen nichts. Also so politisch heikel es auch sein mag, rechtlich ist es überhaupt kein Problem, in einem Konflikt, in einem vor allem nicht internationalen bewaffneten Konflikt.

  1. Der Konflikt zwischen Israel und der Hamas ist ja auch etwas, das sich sehr schwerer qualifizieren lässt, und es ist jedenfalls kein Krieg und in dem Sinne spricht auch aus rechtlicher Sicht nichts dagegen, hier Flagge zu zeigen im wahrsten Sinne des Wortes;

Politisch kann man das natürlich diskutieren. GASSNER-SPECKMOSER : Kann Österreich seine Neutralität eigentlich auch wieder ablegen? JANIK : Es wäre ja theoretisch möglich. Also es braucht dafür eigentlich nur, weil eben das Neutralitätsgesetz ist ein Bundesverfassungsgesetz, dafür bräuchte es die Zweidrittelmehrheit im Nationalrat, um die Verfassung zum Teil zu ändern, sie ist ja damit auch Teil der Verfassung.

  1. Manche argumentieren, dass eine Aufgabe der Neutralität auch eine Gesamtänderung der Bundesverfassung wäre, das ist aber eine Mindermeinung und es wäre insofern auch nicht einmal notwendig, eine Volksabstimmung durchzuführen;

Wenn man jetzt beispielsweise denkt, das Referendum zum EU-Beitritt, da ist man zum Schluss gekommen, das führt zu einer Gesamtänderung der Bundesverfassung. Im Zusammenhang mit der Neutralität, so wichtig sie auch vielen Menschen ist, und sie hat auch eine ganz zentrale Rolle bei der österreichischen Identität, im Selbstverständnis Österreichs, aber aus rein formal verfassungsrechtlicher Sicht bräuchte es hier kein verpflichtendes Referendum.

Es wäre aber politisch höchst ratsam, eben weil dieses Thema so dermaßen umstritten ist. Es gibt aber aktuell keine mir bekannten Vorstöße, die Neutralität abzuschaffen. Der Letzte, wo ich mich erinnern kann, war damals noch unter Bundeskanzler Schüssel nach den Angriffen von 9/11 wo er damals erstmals – oder nicht erstmals, es wurde früher auch von der FPÖ immer wieder hinterfragt – aber er hat einen Punkt aufgeworfen, die Welt hat sich verändert, ist es vielleicht auch Zeit, die Neutralität zu überdenken, oder sich vielleicht klar zu bekennen, ein klares Bekenntnis in die ein oder andere Richtung, eben zum Westen abzugeben und damit auch die Neutralität aufzugeben.

KÖHLER : Kann Österreich einem anderen Land militärischen Beistand leisten? JANIK : Wenn es eine Autorisierung des Sicherheitsrates, also eine Ebene darüber, gäbe, dann kann man das durchaus argumentieren, weil man dann eben sagt, das ist kein Krieg. Ohne einer solche Autorisierung des Sicherheitsrates ist das in der Form nicht möglich.

  1. Aber sogar weniger wegen der Neutralität, sondern wegen einem noch viel simpleren Grund: Artikel 2 Absatz 4 der UNO-Charta, der das Gewaltverbot regelt;
  2. Und allein deswegen, und da ist es eben unabhängig ob man ein neutraler Staat ist oder nicht, kann man nicht ohne eine Autorisierung des Sicherheitsrates, oder wenn es sich um einen Fall von Selbstverteidigung handelt, in einem anderen Staat militärisch eingreifen;

Und insofern ist das sogar eine Frage, die öfters auftaucht, man denkt da reflexartig an die Neutralität, aber es gibt da einen viel allgemeineren Grund, und das ist eben wie gesagt das allgemeine Gewaltverbot mit seinen zwei Ausnahmen. Die eine habe ich schon genannt, UN-Sicherheitsresolution die Gewalt genehmigt, oder eben ein Fall von Selbstverteidigung.

GASSNER-SPECKMOSER : Sollte Österreich seine Neutralität ablegen wollen, müsste es das dann mit den anderen Staaten “besprechen”? JANIK : Das ist eine durchaus interessante und auch zumindest in der Theorie umstrittene Frage, weil wir unsere Neutralität auch gegenüber anderen Staaten kommuniziert haben und wir uns dadurch gewissermaßen selbst verpflichtet haben.

Es war, man kann sagen, eine Art Versprechen, das damit verbindlich wurde, bzw. eine einseitige Erklärung, jetzt gibt es natürlich dazu unterschiedliche Lehrmeinungen. Die eine, das ist die, die von der Mehrheit vertreten wird, solange ich es nachvollziehen kann, es ist ja immer die Frage, wer ist die Mehrheit genau, aber meiner Wahrnehmung nach ist die Mehrheit und auch das österreichische Außenministerium, dass man diese einseitige Erklärung jederzeit wieder zurücknehmen kann.

  1. Das ist eine Verpflichtung, die wir uns selbst aufgelegt haben, das gilt auch, wenn jetzt ein Krieg akut ausbricht, aber wenn man zu Friedenszeiten beispielsweise sagt, so wir geben jetzt unsere Neutralität auf, die Zeiten haben sich verändert, die Konfliktkonstellationen sind heute gänzlich andere, Neutralität passt nicht mehr in unsere heutige Zeit, wir geben sie auf, haben andere Staaten da nichts mitzureden;

Die Gegenansicht ist natürlich die – und das hat man beispielsweise zumindest in Ansätzen gemerkt in Zusammenhang mit den EU-Beitrittsverhandlungen und den ersten Bestrebungen der EU beizutreten. Da ist beispielsweise die Sorge, dass Russland sagt, naja rein historisch gewachsen aufgrund des Moskauer Memorandums und dem Hintergrund des Entstehens der Neutralität hat Russland als “Fortsetzerstaat” der Sowjetunion, also nicht komplett identisch mit der Sowjetunion, aber eben, weil es gewissermaßen die Sowjetunion fortgesetzt hat, hat einen historisch gewachsene Anspruch darauf zu sagen, ihr könnt nicht einfach so eure Neutralität aufgeben.

Da hat sich mit der EU und mit dem EU-Beitritt die Frage gestellt, aber es hat dann einfach aufgrund des Endes des Kalten Krieges und der Auflösung der Sowjetunion hatte Russland bzw. die Sowjetunion damals andere Probleme, es war damals kein ganz virulentes Problem mehr.

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Aber es könnte durchaus möglich sein, wenn Österreich jetzt Bestrebungen hat, der NATO beizutreten, dass Russland dann auf den Tisch haut und sagt “Moment mal, Österreich hat historisch seine immerwährende Neutralität erklärt und auch uns gegenüber versprochen”.

  1. KÖHLER : Die österreichische Innenpolitik hat schon öfters laut überlegt, ob man die Neutralität nicht doch ablegen sollte;
  2. JANIK: Es war eine Art Vorstoß, aber es war nicht so, dass man jetzt beispielsweise, dass es in ein so weites Stadium gegangen wäre, das politisch derart auf dem Tablett serviert worden wäre, vor allem in Oppositionsparteien, dass die hier entsprechend Stimmung gemacht hätten;

Aber man kann davon ausgehen, jedes Mal, wenn jetzt auch nur ein bisschen zaghaft in diese Richtung argumentiert wird, oder auch im Zusammenhang mit dem Hissen der israelischen Flagge, da merkt man natürlich schon, dass vor allem Oppositionsparteien das Thema sehr schnell aufgreifen und es einfach ein Thema ist, das bei der Bevölkerung so tief verankert ist, dass es enorm emotionalisiert.

  1. Und dementsprechend gehe ich davon aus, dass es da auch zu einer sehr hitzigen Debatte führen würde, und ich frage mich, ob eine Partei das im Moment angreifen will und überhaupt die Notwendigkeit dafür sieht, weil eben aufgrund dessen, dass die Neutralität so stark reduziert wurde, sie in der Praxis Österreich ja gar nicht so stark einschränkt, wie man das auf den ersten Blick glauben mag;

GASSNER-SPECKMOSER : Was hält uns denn als Land davon ab, unsere Neutralität abzulegen? JANIK : Ja, also die Neutralitätsverpflichtung hat ja auch Vorteile, und einer der Vorteile ist ja der, das ist ja der Kern der Neutralitätsverpflichtung, auch zu sagen, wir wollen nichts mit anderen Kriegen zu tun haben und dementsprechend aber auch kein Angriffsziel sein.

  • Das heißt, wenn man jetzt beispielsweise wieder denkt an den Ersten Weltkrieg und die deutsche Strategie im Ersten Weltkrieg, da einfach zu sagen, gut, man marschiert durch belgisches Gebiet, weil das einfach ein direkterer Weg ist;

Das heißt, Österreich ist gewissermaßen doppelt geschützt: Einerseits als neutraler Staat, dass man sagt, gut, das ist das “Leo”, das wird von keinem anderen Staat angegriffen und natürlich dann, wie bei allen anderen Staaten auch, durch das Gewaltverbot.

  1. Und das kann praktisch dann doch einige Bedeutung erlangen;
  2. Ich erinnere an zwei Konflikte, wo das eine Rolle gespielt hat: Einerseits der Kosovo-Konflikt beziehungsweise die Militärintervention der NATO im Kosovokrieg, wo dann eben Österreich mehrere Verletzungen des Luftraums festgestellt hat, und das hat man zwar als militärische Intervention bezeichnet, aber rein rechtlich war es am Ende des Tages ein zwischenstaatlicher Krieg, weil eben NATO-Flugzeuge gegen ein anderes Land Angriffe ausgeführt haben;

Der Hintergrund war natürlich ein humanitärer, das war auch die offiziell betonte Rechtfertigung dafür, aber rein auf das simpelste Formalrechtliche heruntergebrochen war es natürlich ein zwischenstaatlicher Krieg. Und dementsprechend konnte Österreich auch nicht seinen Luftraum zur Verfügung stellen.

Also Truppenverlegung heißt ja nicht nur über Staatsgebiet, sondern auch über den Luftraum, der ja auch zum Staatsgebiet gehört, und dass man den Luftraum dann eben nicht für Luftangriffe oder eben auch simple Truppenverlegungen zur Verfügung stellen darf, in einem Krieg.

Und der andere Konflikt, wo die Neutralität und eben dieser Schutz eine Rolle gespielt hat, war der Irak-Krieg. Und da haben wir, das ist so eine geschichtliche Randnotiz, aber da haben wir die USA insofern verärgert, die damalige Bush-Administration und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der sich damals wirklich beschwert hat über Österreich, weil wir keine Truppenverlegungen über österreichisches Gebiet zugelassen haben.

  • Das haben die USA auch respektiert, und dadurch hat sich der Irak-Krieg, also haben sich ein paar Truppenverlegungen doch um einiges verzögert, weil man sie eben um Österreich herum verlegen musste;
  • Weil wenn wir das zugelassen hätten, hätten wir unsere eigene Neutralität verletzt, weil sie ja im Zusammenhang mit dem Angriff auf den Irak 2003 stattgefunden haben, diese Truppenverlegungen;

KÖHLER : Und was spräche dafür, die Neutralität abzulegen? JANIK : Ja, das Hauptargument wäre natürlich, dass man gerade in solchen Zeiten von sich neu-formierenden Machtblöcken – also, wenn wir uns jetzt wirklich auf militärischer Ebene zumindest umsehen – wir die zwei alten Machtblöcke haben, USA und Russland, und dann natürlich als neu entstandenen, China, dass man damit natürlich klar Farbe bekennt.

  • Wenn man jetzt wirklich davon ausgehen würde, dass die Bedrohung auch eine manifeste wird in einem klassischen Krieg, dann ist es natürlich ein Unterschied, ob man eindeutig in einem Lager steht oder nicht, also allein von der Symbolwirkung;

Wenn man jetzt die Diskussionen in der Ukraine verfolgt, die ja angegriffen wurde, im “klassischen Sinne”, und wirklich einen Teil ihres Staatsgebietes auch verloren hat: Die Ukraine wäre sehr gerne NATO-Mitglied gewesen, weil die NATO ja in Artikel 5 vom NATO-Vertrag ja vorsieht, dass man eben eine Beistandspflicht hat, wenn ein NATO-Mitglied angegriffen wird, ist das wie ein Angriff gegenüber allen NATO-Mitgliedern.

Das heißt, das ist natürlich auch ein Signal gegenüber anderen Staaten, dass man ganz viele Freunde hat, die zur Not – kann man sich vielleicht vorstellen wie in einer Gang, aber in positivem Sinne – wenn ein Mitglied angegriffen wird, dass dann die anderen Mitglieder dem Mitglied zur Hilfe eilen.

Das ist aber jetzt auf der symbolischen Ebene, aber andererseits auf der rein theoretischen Ebene, wenn es jetzt wirklich ein akutes Bedrohungsszenario für Österreich gäbe, dass unser Gebiet angegriffen wird oder man zumindest durch unser Gebiet marschiert, um andere Staaten anzugreifen, aber das ist, wenn man sich auch Analysen des Bundesheeres ansieht, für aktuelle Konfliktszenarien, Bedrohungsszenarien, eines der eher Unwahrscheinlicheren.

  1. Und das ist auch im Zusammenhang mit der Krim-Annexion im Moment der absolute Ausnahmefall, aber es zeigt, dass das durchaus manchmal vorkommt;
  2. Insofern wäre es auf einer politischen und symbolhaften Ebene, natürlich könnte man sagen, wenn man jetzt in dieses Lagerdenken verfällt – und es gibt natürlich ein gewisses Lagerdenken in den internationalen Beziehungen – durchaus von Vorteil, wenn man sich klar zu einer Seite bekennt;

Und es vereinfacht natürlich doch auch die Zusammenarbeit mit der NATO, weil man dann nicht mehr nur als außenstehender Partner dabei ist, sondern eben als genuines Mitglied. GASSNER-SPECKMOSER : Ihrer persönlichen Einschätzung nach: Müsste die österreichische Neutralität also reformiert werden? Oder gar abgeschafft? JANIK : Ich habe das Gefühl, dass das ein Thema ist, das gewissermaßen da gemütlich auf der Diskussions-Couch sitzt, das heißt, wir haben da einen parteiübergreifenden Konsens über weite Strecken.

Auch die Praktiker sagen, sie ist jetzt in ihrer täglichen Arbeit, die ja vor allem im Rahmen der EU stattfindet, kein so großes Problem. Es gibt Zusammenarbeit, es gibt die Möglichkeit zu viel Zusammenarbeit in Sicherheitsbereichen mit anderen Staaten.

Wir sind ja selbst Teil der “Partnership for Peace” in Zusammenhang mit der NATO. Es gibt jetzt keine unmittelbare Notwendigkeit, der NATO beizutreten, beispielsweise, weil auch die Bedrohungsszenarien sich so verändert haben, dass dieser klassische bewaffnete Angriff nicht im Raum steht, beziehungsweise Österreich davon bedroht wäre.

Sondern das sind ja jetzt ganz andere Konflikt- und Bedrohungsszenarien, also da denkt man an Cyber Warfare, an Angriffe auf die Cyber-Infrastruktur von Staaten, da denkt man an hybride Kriegsführung, wo man nicht ganz weiß, ist das jetzt schon Krieg oder ist das noch auf einer niederschwelligen Ebene, da denkt man an Desinformations-Kampagnen.

Und in dem Zusammenhang ist die Neutralität einerseits auch nicht so ein starker Schutzschild, andererseits aber auch nicht im Weg, wenn man da mit anderen Staaten zusammenarbeitet. Es ist auch so, dass natürlich dadurch, dass es so wenige neutrale Staaten gibt, oder genuin neutrale Staaten gibt, man sich ja ohnehin gewissermaßen das eigene Recht selbst schafft, kann man vielleicht sagen.

  1. Ich habe mal mit dem Thomas Desch im Verteidigungsministerium sehr lange und sehr interessant diskutiert, über das Neutralitäts-Verständnis, und einer unserer Schlüsse, die wir gezogen haben, ist, dass Österreich sich gewissermaßen das eigene Recht schafft, weil es ja nur so wenige Staaten gibt, die sich als neutral bzw;

immerwährend neutral verstehen. Insofern braucht es auch keine neue rechtliche Kodifikation, einfach weil die geostrategischen Realitäten dazu geführt haben, dass sie keine so große Rolle spielt. Und wenn wir noch ganz kurz zurückkommen auf das Thema Terrorismus: Auch da merkt man ja, dass zwar terroristische Angriffe -und jetzt jähren sich ja zum 20.

  • Mal die Angriffe vom 11;
  • September – und da hat man ja auch gemerkt, dass das Bild vom Krieg, dass ein Staat einen anderen angreift, antiquiert ist;
  • Und eben ein Terrorangriff auch von nichtstaatlichen Akteuren, eben von Terrorgruppen wie damals Al-Kaida, ausgehen kann;

Und auch da kann die Neutralität zu einem Problem werden, aber sie wird es typischerweise nicht. Sie kann es erst dann werden, das ist eine Frage, die hätte sich für Österreich in der Theorie in Zusammenhang mit dem Kampf gegen den sogenannten “Islamischen Staat” gestellt, weil man ja immer noch den sogenannten IS angegriffen hat auf syrischem Gebiet, und Syrien nicht das Einverständnis dafür gegeben hat und es auch keine eindeutige Resolution des UNO-Sicherheitsrates gab.

  1. Aber weil keine Kampfflugzeuge über österreichisches Gebiet mussten, ist das letztlich eine theoretische Frage geblieben, zeigt aber, dass es doch auch in manchen Konfliktsituationen zu einer praktischen Frage werden kann, das heißt gänzlich irrelevant ist das Thema natürlich nach wie vor nicht;

Und dann bleibt ja natürlich auch die politische Neutralität, wie man die versteht, und da hat ja das Hissen der israelischen Flagge gezeigt, dass das ein durchaus äußerst emotionales Thema werden kann, aber wir machen das ohnehin auf so einer, könnte man sagen, “Case-by-Case”-Basis, also eben fallbezogen, und da schnapsen wir uns das auch oft intern aus und für andere Staaten ist es ja sehr oft nicht einmal Thema.

  1. Also da sind wir auch weltpolitisch nicht so bedeutsam, dass andere Staaten unsere Neutralität jetzt ganz aktiv einfordern würden oder problematisieren würden;
  2. GASSNER-SPECKMOSER : Die Schweiz wird gerne als Paradebeispiel für einen neutralen Staat hergenommen;

Österreich eher selten. Warum? JANIK : Die Schweiz hat alleine aus historisch gewachsenen Gründen ein robusteres Neutralitätsverständnis, vor allem weil sie ja auch schon länger neutral ist. Und legt auch diese Rolle als Vermittler bzw. als Standort für internationale Organisationen sehr, sehr aktiv.

Das heißt, Genf beispielsweise ist, wenn es um den Sitz von internationalen Organisationen geht, noch viel, viel weiter als Wien. Was meine ich mit “weiter”? Es ist einfach der Sitz von viel, viel mehr internationalen Organisationen.

Das heißt, hier ist einmal ein anderes historisch gewachsenes stärkeres Neutralitätsverständnis. Man merkt das auch an so – es sind keine Kleinigkeiten, ich hätte jetzt fast Kleinigkeiten gesagt, aber es sind meiner Meinung nach keine Kleinigkeiten – dass die Schweiz einfach sehr, sehr spät den Vereinten Nationen beigetreten ist, 2002.

  1. Bei uns;
  2. Wir sind da den Vereinten Nationen von Anfang an in der Frühphase der Unabhängigkeit beigetreten, während die Schweiz sehr lange darüber diskutiert hat, inwiefern ist das überhaupt möglich im Zusammenhang mit unserer Neutralität;

Wir haben hier also, wie gesagt, ein viel robusteres Neutralitätsverständnis, das sich sowohl rechtlich zeigt als auch natürlich politisch, wenn es darum geht, sich in irgendeiner Form einzumischen und eben auch politisch zu Wort zu melden. Weil natürlich jede politische Stellung sich dann auch auswirken kann auf künftige Friedensverhandlungen, beispielsweise zwischen unterschiedlichen Konfliktparteien.

Und das betrifft, das möchte ich auch gesagt haben, enthülle ich dann auch innerstaatliche Konflikte. Also wenn man wahrgenommen wird als einer Seite eher gewogen, macht es das natürlich schwieriger, sich in irgendeiner Form zu beteiligen an Friedensverhandlungen, internationalen nicht bewaffneten Konflikten, die hier eben statistisch gesehen leider mittlerweile.

und „leider” sage ich mittlerweile nicht, weil ein Konflikt besser wäre, oder einer schlechter, sondern „leider” weil diese Konflikte nun mal sehr häufig sind, und deswegen ist es da auch entsprechend wichtig, für Staaten zu sagen, wir möchten auch keine Plattform sein für Bürgerkriege oder der technische Begriff ist nicht-international-bewaffnete Konflikte und da ist eben die Schweiz meiner Wahrnehmung nach durchaus zurückhaltender.

  1. KÖHLER : Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, damit sind wir schon fast am Ende unserer Folge angelangt – und damit auch am Ende von Tobias und mir als Moderatoren-Team;
  2. Wir übergeben diese spannende Aufgabe an zwei tolle NachfolgerInnen: Stefanie Schermann und Tobias Leschka werden Sie ab der nächsten Folge durch den Podcast führen werden;

GASSNER-SPECKMOSER : Zum Schluss noch wie immer: Wenn Sie Fragen, Anregungen oder Vorschläge für neue Folgen haben, schreiben Sie uns wie immer unter [email protected] gv. at. Damit verabschieden wir beide uns und hoffen, sie schalten auch in zwei Wochen wieder ein.

Sind alle EU Länder in der NATO?

3 Zurzeit gehören 19 europäische Staaten beiden Organisationen an. Sechs europäische EU -Staaten (Finnland, Irland, Malta, Österreich, Schweden, Zypern) sind nicht Mitglied der Allianz, fünf europäische NATO -Staaten (Bulgarien, Island, Norwegen, Rumänien, Türkei) sind nicht in der EU.